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Messiers Galaxiengewimmel

Datum: 29. Mai 2009, 23:15-04:00 Uhr
Ort: Taubensuhl
Grenzgröße: kleiner 6mag
Gerät: 6" f/5

Objekte:
GX: M58, M59, M60, M64, M85, M88, M89, M90, M91, M98, M99, M100, M101
GC: M13, M53, M92
QSO: 3C273
PN: M27, M57
DS: Albireo
Planeten: Saturn Jupiter, [Venus]

Tagsüber bei der Arbeit denke ich, das das ein herrlicher Himmel ist. Keine Wölkchen, die Sonne knallt, ohne einen Schatten zu finden. Da denke ich, ein Blick in die Wettervorhersage für die Nacht könnte nicht verkehrt sein. Und...ein blankgeputzter Himmer die ganze Nacht wird prophezeit. Es ist Freitag, was sollte mich da noch bremsen? Natürlich, der Mond. Der Untergang ist für nach 1:00 Uhr angesetzt, die astronomische Dämmerung von nach 0:00 Uhr bis nach 2:00 Uhr. Also könnte ein wenig Zeit zum Beobachten bleiben. Die ganz kurzen Nächte im Juni und Juli stehen bevor, also warscheinlich eine der letzten Möglichkeiten überhaupt.

Nils und Jan haben parallel schon angekündigt, das sie rausgehen werden. Ich wollte aber in der Heimat bleiben, genauer gesagt auf den Taubensuhl. Ein kurzer Aufruf zum Mitgehen in der Hoffnung, andere Verrückte werden es lesen und ich die Nacht nicht alleine verbringen müssen blieb erfolglos.

Als Programm hab ich mir das Weiterkommen beim Messier-Marathon vorgenommen. Es geht in das Galaxiengewimmel um Coma Berenice und Virgo. Sollten allerdings die Bedingungen durch den Mond das ganze nicht hergeben, wollte ich auf Kugelsternhaufen umschalten und davon einige abschiessen.

Los bin ich dann um 22:00 Uhr, kurze Fahrstrecke, alles auspacken und aufbauen. Los geht's dann um 23:15 Uhr. Es ist zwar noch nicht astronomisch dunkel, aber was schert mich das.

Angefangen hab ich bei Saturn, um meinen Sucher auszurichten. Einfach ein immer wieder schön anzusehender Planet, die Ringe sind zwar zu einem Strich mutiert, aber einfach immer wieder sehenswert.

Das erste Objekt - sozusagen zum Warmspechteln - ist M53 (GC-V in Com; 7,7mag; 13'; NGC-5024). Dieser Haufen ist (trotz Mond) leicht aufzufinden über Alpha-Com. Mit 13mm ein konzentrierter Haufen mit einem deutlichen Zentrum, aber Sterne sind nicht wirklich aufgelöst. Im 7mm Okular hab ich keinen Gewinn erziehlen können.

Ich bleib in der Nähe in Coma Berenice und besuche M64 (GX-Sab; 8,5mag; 12,7 mag/arcmin2; 10,5'x5,4'; NGC-4826, Black Eye). Ausgehend von Alpha-Com wieder einfach aufzufinden. Diese helle, etwas langgezogene Galaxie hat ein sternartiges Zentrum. Trotz Mond ist sie ein leichtes Objekt. Das schwarze Auge und die Staubstrukturen bleiben mir allerdings im 13mm- und 7mm-Okular verborgen.

Warmspechteln erfolgreich über die Bühne gebracht, Nils ruft an, er fährt jetzt raus. Na ja, er hat ja beim Mond noch nichts verpasst. Beim Plaudern kamen wir dann auf 3C273, den Quasaren. Sollte auch bei etwas Mond gehen, ist ja ein sternartiges Objekt.

Also hab ich die Aufsuchkarten rausgekramt und mich auf die Suche nach 3C273 begeben. Über eine aus dem Internet gezogene Hoppingkarte war die Stelle schnell gefunden, eine Detailkarte der Region hilft beim Identifizieren. Damit der Hinterdrund dunkel wird und die Sterne gut rauskommen, hab ich schnell auf das 3,5mm Okular gewechselt. Ist schon ein wenig mit Mühe verbunden, die Sterne bei etwas Mond zu sehen und zu identifizieren, hab den Quasaren aber eindeutig identifizieren können. Im 6-Zöller kein helles Objekt, ein wenig Identifizierungsarbeit, geht aber bedenkenlos mit der Öffnung.

So langsam wird's jetzt kalt, ich ziehe meine Thermohose an. Der Mond ist nun auch endlich hinter den Bäumen verschwunden, es wird merklich dunkler auf dem Platz, vorher hatte der Mond schon schöne Schatten geworfen.

Nun kann es zum eigentlichen Ziel des Abends, zu dem Galaxiengewimmel gehen. Von Nord nach Süd wollte ich mich da durcharbeiten. Bisherige Versuche hierbei wurden wegen schlechten Wetters, wegen Wolken und wegen Tau erfolglos aufgegeben, ganze zwei Objekte hatte ich gepackt.
Aber gleich noch eine Anmerkung: Von Süd nach Nord ist wohl besser, da man dem Untergehen der Objekte entgegenwirkt...

Als erstes Objekt hab ich über 24-Com dann M85 (GX-S0-a in Com; 9,1mag; 13,0mag/arcmin2; 7,1'x5,4'; NGC-4382) leicht gefunden. Diese Galaxie hat ein etwas sternartiges Zentrum, ist insgesamt aber ein kleiner Wattebausch. Direkt südwestlich steht ein Stern, der in etwa die Helligkeit des Zentrums aufweist. Bei indirektem Beobachten im 13mm Okular wird der Wattebausch immer wieder größer.
Etwas westlich hab ich ein kleines Etwas (NGC-4394; GX-SBb in Com; 10,9mag; 13,3mag/arcmin2; 3,4'x3,2') ohne weitere Konzentration entdeckt, schwierig zu sehen, aber erkennbar.

Ein kurzer Blick in den Schwan offenbart eine schöne Milchstraßenwolke.

Etwa 2° unterhalb (von M85) hab ich dann M100 (GX-SBbc in Com; 9,3mag; 13,3mag/arcmin2; 7,5'x6,1'; NGC-4321) entdeckt. Eine insgesamt relativ große Galaxie, die aber flächenlichtschwach ist. Der Zentralbereich ist viel heller als die restliche Galaxie, aber klein bis sternförmig.

Noch ein kleines Stückchen südöstlich (rechts runter) ist dann M98 (GX-SBb in Com; 9,7mag; 13,5mag/arcmin2; 9,8'x2,8'; NGC-4129). Dies ist eine deutlich langgezogene Galaxie. Das Zentrum erscheint mir irgendwie etwas aus der Mitte des sichtbaren Wattebauschs verschoben zu sein, bei indirektem Sehen mit 13mm Okular funkelt es merkwürdig. Ein heller Stern westlich von M98 ist sehr markant, insgesamt aber ein lichtschwaches Objekt.

Die nächste Galaxie M99 (GX-Sc in Com; 9,7mag; 13,0mag/arcmin; 5,3'x4,6'; NGC 4254) ist etwa ein Grad westlich. Deutlich erkennt man die runde Form ohne eine größere Konzentration im Zentralbereich. Indirekt wird die ganze Pracht, die gleichmäßige Helligkeit, richtig deutlich. Aber auch hier handelt es sich um ein lichtschwaches Objekt.

Ich schwenke 3° östlich und finde M88 (GX-Sb in Com; 9,4mag; 12,8mag/arcmin2; 6,8'x3,7'; NGC-4501), eine schöne, langgezogene Galaxie. Indirekt im 13mm Okular ist das Zentrum einiges heller als direkt, wenngleich aber nicht sternförmig. Nun ja, schon wieder so ein lichtschwaches Teil'chen.

Weiter geht es ein Grad östlich zu M91 (GX-SBb in Com; 10,1mag; 13,3mag/arcmin2; 5,2'x4,3'; NGC-4548), einem der schwächsten Objekten des Abends. Ein kleines Nebel'chen, mit einem leicht helleren Zentrum ohne weitere Konzentration. Wirklich Arbeit mit dem 6-Zöller.

Die Karten ziehen nun eine Linie, es geht in die Jungfrau.

Das erste jungfräuliche Objekt ist M90 (GX-SBab in Vir; 9,4mag; 13,3mag/arcmin2; 9,5'x4,4'; NGC-4569). Diese nur etwas längliche Galaxie hat einen leicht funkelnden Zentralbereich, aus dem mehrere Stellen indirekt im 13mm Okular aufleuchten, lichtschwach und schwieriger.

Weniger als 1° südlich von M90 befindet sich die Galaxie M89 (GX-E in Vir; 9,9mag; 12,7mag/arcmin2; 3,5'x3,5'; NGC 4552), eine kleines, aber helles Objekt mit deutlichem Kernbereich. Indirekt wird es nicht größer als direkt. Insgesamt eine ziemlich rundliche Galaxie ohne eine Ausdehnungsrichtung, aber heller als die bisherigen Objekte des Galaxiengewimmels.

Auf zur etwas südöstlich gelegenen M58 (GX-SBb in Vir; 9,6mag; 13,1mag/arcmin2; 6,0'x4,8'; NGC 4579). Diese Galaxie ist schön rundlich mit einem deutlich hervorhebendem Zentrum. Sie ist nicht gerade groß, aber schön zu sehen. Bei längerem indirektem Sehen wird die Galaxie immer größer und heller (auch im Zentrum), bleibt aber mehr rund als länglich.

Als nächstes ein Paar, M59 (GX-E5 in Vir; 9,7mag; 13,0mag/arcmin2; 5,4'x3,7'; NGC 4621) und M60 (GX-E2; 8,8mag; 13,1mag/arcmin2; 7,6'x6,2'; NGC-4649), welches leicht in das 13mm Okular reinpasst. M59 ist etwas kleiner und schwächer und nicht so konzenriert im Zentralbereich. M60 dagegen macht richtig Licht im Auge und wird indirekt immer größer mit deutlichem Zentrum. Beide sind rundlich, in einem Gesichtfeld wir zwei Brüder.

Weiter gehts, ups. In die Bäume geschwenkt. Ziemlich tief, die letzten Beobachtungen. Jetzt muss ich die Galaxien schwinden lassen, es geht nicht mehr weiter.

Ich schau mich also etwas um und sehe Jupiter. Schnell mal draufgehalten. Mensch, da braucht man eine Sonnenbrille, nach all den lichtschwachen Objekten.

Was geht noch? M101 (GX-SBbc in UMa; 7,5mag; 14,6mag/arcmin2; 28,8'x26,9'; Pinwheel, NGC-5457) aufgesucht. Ein wirklich heller, richtig großer Plop, aber ohne weitere Details heute morgen. Auf dem SATT wirkte diese besser.

Nochmal über den Himmel geschwenkt zu M13 und M92. Beide Kugelsternhaufen sind richtig hell, stärker konzentriert und beide mit aufgelösten Sternen im Außenbereich. Eine echte Belohnung für's an lichtschwache Objekte gewöhnte Auge.

Jetzt noch schnell auf den viereckigen planetarischen Nebel M27 und den runden planetarischen Nebel mit Loch M57 gehalten. Abschließend Albireo, ein Doppelstern mit schönen Farben (groß rot, klein blau) beider Komponenten.

Viertel vor vier, die Aufhellung im Osten durch die Sonne ist schon sehr deutlich. Es wird Zeit, alles einzupacken und nach Hause zu fahren. Unterwegs kommen SMS mit verpassten Anrufen. Naja, Empfang mit Mobiltelefon ist noch nicht überall in Deutschland gut...

Allesamt war das eine sehr lichtschwache Tour, mit 6 Zoll eine kleine Herausforderung. Der Himmel selbst war, bedingt durch den Mond, auch nicht optimal. Für eine solche Tour sollte der Himmel wirklich optimal sein und das Gerät, wenns geht, etwas größer. Details sind wirklich keine durchgekommen.

Eine Grenzgrößenbetimmung hab ich in UMa versucht, aber nicht wirklich erfolgreich. Die 6mag hab ich nicht gesehen, war aber auch schon ein biss'l spät für die Bestimmung.

Auf der Heimfahrt dann sehe ich Venus im hellen Glanz, die Sonne ist noch nicht über dem Horizont. Ein wirklich heller, auffallender Planet.

Letzte Änderung: 30. Mai 2009